Gesellschaft für außerordentliche Zusammenarbeit

Ein neues Modell für gemeinwohl-orientierte Stadtentwicklung

Die hier gezeichnete Vision ist nach wie vor ergebnisoffen. Es handelt sich um einen Prozess, zu dem Du eingeladen bist. Jeder soll im weiteren Verlauf mitgestalten können. Wie es zu diesem Prozess gekommen ist, erfährst Du hier.

Inzwischen haben wir die Projektskizze eingereicht und den Förderzuschlag bekommen. Mit diesem Artikel wollen wir den aktuellen Stand der gemeinsamen Vision nochmal vorstellen.

Was ist die Gesellschaft für außerordentliche Zusammenarbeit?
In einer dezentralen, partizipativen Visionsbildung mit über 50 selbstorganisierten Initiativen haben wir uns auf ein Experiment eingelassen. Daraus entstand als Zusammenschluss unterschiedlicher Initiativen die Gesellschaft für außerordentliche Zusammenarbeit.

Ein gemeinwohlorientierter Zusammenschluss
Als Zusammenschluss stadtgestaltender Initiativen in Hannover gründen wir die 'Gesellschaft für außerordentliche Zusammenarbeit'. Sie übernimmt die überschneidenden Aufgabenbereiche, die einzelne Initiativen im Kleinen nicht leisten können. In diesen Handlungsfeldern testen und entwickeln wir Zukunftsmodelle zur Förderung gemeinwohlorientierter Stadtentwicklung.

Eine wachsende Zahl an Initiativen beschäftigt sich mit der Gestaltung des eigenen Stadtraumes und bindet so zivilgesellschaftliche Beteiligung stärker in die Stadtentwicklung ein. Da diese Prozesse meist außerhalb herkömmlicher Arbeits- und Einkommensstrukturen stattfinden, arbeiten sie oft nebeneinander her - so auch in Hannover.

Diese Initiativen entstehen aus intrinsischer Motivation, also ungeleitet, selbstverwaltet und mit großem inneren Antrieb. Diese ungeleiteten Prozesse möchten wir erforschen und aus ihnen verstetigbare Modelle entwickeln.

Ein Beteiligungsprozess mit über 50 Initiativen aus Hannover war Hintergrund der gemeinsamen Visionsbildung.
Aus ihm wurde deutlich, dass in der zivilgesellschaftlichen Stadtentwicklung stets ähnliche Herausforderungen entstehen, die von der klassischen Verwaltung nicht gelöst werden können. Es fehlt eine dynamische Organisationsform, die als Schnittstelle zwischen Initiativen und den Verwaltungsstrukturen fungiert: die 'Gesellschaft für außerordentliche Zusammenarbeit'.

“Vielleicht ist es Entbürokratisierung oder einfach echte Bürgerbeteiligung? Ich will nicht alles auf die Bürokratie schieben. Letztlich sind es die Menschen, die Entscheidungen treffen. Für gemeinschaftliche Entscheidungen an einem Ort oder für ein Projekt muss man zuallererst zu einer Gemeinschaft werden. Das müssen wir von der Pieke auf lernen.”

DOROTHEA HOFFMANN zur Frage nach Lösungen

Ziele
Wir gründen die 'Gesellschaft' als selbstverwaltete Organisation mit dem Ziel der Befähigung und Unterstützung zivilgesellschaftlicher Stadtentwicklung.

Dazu entwickeln wir in einem prozesshaften Aufbau eine dynamische, niedrigschwellige und selbstverwaltete Förderstruktur für gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung. Hierbei werden mitunter Self-Governance Strukturen erprobt und in einem übertragbaren Rahmen erforscht.

Aktive Initiativen werden durch den Zugang zu einer Gemeingut-Ökonomie und die Bündelung ihrer vielfältigen Potentiale gefördert. Dazu erweitern und erforschen wir Modelle der `Sharing Economy`.

Darüber hinaus möchten wir die Zivilgesellschaft durch Aktionen zur aktiven Gestaltung ihres Lebensraums anstiften.
So werden immer mehr Aktionen im Stadtraum stattfinden, die durch den Zugang zu der Förderstruktur ermöglicht werden.

"Eine Nachbarschaft, die einem Geborgenheit gibt, wo man sich zu Hause fühlt und sich mit gegenseitigem Interesse begegnet. Ein möglichst freier Raum, der unabhängig von den jeweiligen finanziellen Möglichkeiten gestaltet werden kann. Gemeinsam einen Prozess zu gestalten und dabei durch Erprobung und Diskurs miteinander zu lernen.”

JOHANNES ENDE zur Frage nach Glück.

Quatiersebene
Unser Reallabor ist kein Quartier im herkömmlichen Sinne, sondern setzt sich aus den gemeinsamen physischen und sozialräumlichen Handlungsfeldern der 50 Partnerinitiativen zusammen.

Stadträumlich umfasst das Quartier Bereiche der Stadtteile Linden, Limmer und der Nordstadt mit insgesamt knapp 50.000 Einwohnern. Es setzt sich zusammen aus einer Mischung von Gründerzeitbebauung mit reichem Sozialraum und heterogenen Gewerbegebieten - wie dem Lindener Hafen und den Gleisflächen zwischen den Stadtteilen Nordstadt und Vahrenwald - mit Leerstand und der Frage nach zukünftigen Nutzungskonzepten.

Die Entwicklungsorte für unser Reallabor entstehen an der Schnittstelle von verfügbarem Ausweichraum und den Arbeitsorten und Bedarfen der Partnerinitiativen.

Den Erfolg der 'Gesellschaft' sehen wir stark verknüpft mit einer kritischen Masse an Initiativen, die zwar in sich unterschiedlich sind, aber gemeinsam den Prozess tragen, mitbestimmen und befeuern.

Wirkungen auf Quartiersebene
Wir schaffen eine Infrastruktur, die direkte, unübersehbare und langfristige Lebensraumgestaltung ermöglicht und die Zivilgesellschaft dazu motiviert, sich aktiv zu beteiligen.

Durch die Visionsfindung mit den Partnerinitiativen haben wir besonders die isolierte Arbeitsweise und wirtschaftliche Zwänge der Initiativen, der erschwerte Zugang zu Informationen, Raum und Beratung und die mangelnde Sichtbarkeit der vorhandenen Initiativen als gemeinsame Herausforderungen erkannt.

Als gemeinsamer Leuchtturm und Anlaufstelle der Gesellschaft im Quartier entsteht eine ‘Zentrale’, über die ein analoger Zugang zu der Förderstruktur möglich ist. Durch das Zusammenkommen verschiedener Akteur*innen werden hier viele Angebote und Aktionen entstehen.

Das verdichtete Angebot aktiviert und informiert die Zivilbevölkerung und motiviert sie, eigene kleine oder größere Projekte zu initiieren, welche dann die Potentialflächen der angrenzenden Industrie- und Gewerbegebiete wandeln.

So entwickelt sich ein selbst befähigendes Netz aus Projekten und Aktionen, die den Stadtraum mitgestalten und einen gesellschaftlichen Wandel anstoßen.

Einbindung in städtische Strategien
Der integrative Aufbau einer bedarfsorientierten Förderstruktur für zivilgesellschaftliches Engagement im Stadtraum lässt die Menschen intensiver an der Entwicklung der eigenen Stadt teilhaben.
Bürgerbeteiligung stellt einen wesentlichen Schwerpunkt in Hannovers Entwicklungsstrategien dar.

'Mein Kiez-Hannover Quartiere 2030' soll integrierte Konzepte für Stadtbezirke entwerfen.

Das Arbeitsprogramm 'MH 2030' behandelt soziale und inklusive Quartiersentwicklung.

Die Bewerbung Hannovers als Kulturhauptstadt 2025 mit dem Thema “Nachbarschaften” thematisiert koproduktive Stadtentwicklung als Potential.

Unser Quartier liegt nicht in einem Stadtfördergebiet.
Deshalb erzeugen wir mit der 'Gesellschaft' eine eigene Förderstrategie und mit dem Quartier ein eigenes Stadtfördergebiet, die bedarfsorientiert auf die Herausforderungen und Ziele der stadtgestaltenden Zivilbevölkerung eingeht.

Wir stoßen die Entwicklung der Gewerbe- und Industriegebiete in unserem Quartier an. Hier wird der bundesweite Diskurs zur produktiven Stadt und dem taktischen Urbanismus Teil unseres Projektes sein.

Umsetzung
Themenschwerpunkte im Projektverlauf sind:

Phase 0 - Entstehung (jetzt)
Gründung der 'Gesellschaft'

Phase I - Produktionsebene
Aufbau Infrastruktur und Impulse

Phase II - Koproduktionsebene
Testphase der Ökonomie und Förderstruktur

Phase III - Konsumentenebene
Öffnung und Übertragung der Modelle für die Stadtgesellschaft

Handlungsfelder

Aufbau alternativer Organisationsmodelle
Zentraler Teil der 'Gesellschaft' ist das Ziel einer gemeinsam aufgebauten offenen Organisationsstruktur. Sie soll dynamische Teilhabe, Teilnahme, schnelle gemeinschaftliche Entscheidungsprozesse ermöglichen und das Gemeingut besitzen und verwalten. Durch absolute Transparenz, Offenheit und Mitbestimmung über den Einsatz der Fördermittel durch die Initiativen, soll das Vertrauen in die Gesellschaft erhalten bleiben. Sie bietet außerdem einen Rahmen zum regelmäßigen Austausch und gegenseitiger Unterstützung.

Aufbau der Infrastruktur
Aus der 'Gesellschaft' entstehen Pilotprojekte, die gemeinsame Inhalte entwickeln. Sie entwachsen dem initiativenübergreifenden Bedarf, die gemeinsame Infrastruktur auszubauen. Dazu gehören der Aufbau der Förderstruktur und der Gemeingut-Ökonomie, wie auch einer Zentrale und Webplattform. Da sich Pilotprojekte mit der Weiterentwicklung der 'Gesellschaft' beschäftigen, werden sie bei Bedarf auch mit Finanz- und Personalmitteln gefördert.

Gemeingut-Ökonomie
Der Aufbau einer Gemeingut-Ökonomie dient der nachhaltigen Befähigung von Initiativen und Akteur*innen, sowie der effizienteren und gemeinschaftlichen Nutzung von Ressourcen. Sie bietet Zugang zu geteilten und gemeinsam genutzten Werkzeugen, Materialien, Räumen und Wissen. Initiativen und Projekte, die Teil der Gesellschaft sind, stellen ihre untergenutzen Ressourcen als Gemeingut zur Verfügung und können im Gegenzug auf verfügbares Gemeingut zugreifen. (Aufbau einer Sharing-Economy)

Wird der Bedarf nicht von dem Angebot gedeckt, kann aus den Fördermitteln neues Gemeingut angeschafft werden, welches in den Besitz der Gesellschaft übergeht. Investiertes Geld geht nicht verloren, es wird lediglich in Gemeingut umgewandelt. Gemeingüter unserer Gesellschaft sind:

Objekte - Werkzeuge, Transportmittel, Material etc.

Raum -  Wir stellen Raumressourcen von Initiativen, aus städtischer Hand und bei Bedarf auch von der Gesellschaft angemietet als Testräume zur Verfügung

Wissen und Schulung - Austausch von Wissen, Erfahrungen und Kompetenzen. Projekte, denen in Aufgabenbereichen (entscheidende) Kompetenzen fehlen, können sich diese hier aneignen oder aus der 'Gesellschaft' unterstützt werden. Stehen sie in der 'Gesellschaft' nicht zur Verfügung, kann externe Unterstützung organisiert werden.

Förderstruktur
Akteur*innen können über die entwickelte Förderstruktur Pionierprojekte verwirklichen. Welche Projekte gefördert werden wird in einem gemeinsamen Prozess entschieden. Der Zugang zur Förderung ist für Projekte und Initiativen gleichwertig auf digitalem und analogem Weg gewährleistet.

‍Eine Zentrale wird unser analoger und im Stadtraum sichtbarer Anlaufpunkt.Neben der direkten Stadtraum-gestaltenden Wirkung dient sie als gemeinsam gestalteter zentraler Ansprechpartner für Initiativen und Verwaltung und ist Symbol und Ausgangspunkt unserer gemeinsamen Vision (einer Förderstruktur für gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung).Hier sind Informationen über laufende Projekte, Möglichkeiten und Ziele einsehbar.

Sichtbarkeit schaffen
Aus der Organisation und der neuen Ökonomie und Förderung werden gemeinsame Prozesse angestoßen, die den Lebensraum im Quartier verändern.

Veranstaltungsformate
`100 days 100 actions` Mit dem Ziel, besonders zu Beginn des Prozesses mit einer verdichteten Welle an Aktionen und Veranstaltungen öffentliche Aufmerksamkeit auf die von den Initiativen ausgehenden Stadtgestaltungspotentiale zu lenken, werden unterschiedliche Veranstaltungsformate entwickelt. Formelle und informelle Veranstaltungen dienen sowohl der Vernetzung und gemeinsamen Visions- und Zielbildung der Initiativen untereinander, als auch der gezielten und zuweilen auch unangekündigten Einbindung der Zivilbevölkerung.

Forschung
Um die Transparenz und Übertragbarkeit der getesteten Modelle und Strukturen zu gewährleisten, werden sowohl Pilotprojekte als auch Pionierprojeke dokumentiert, evaluiert und wissenschaftlich begleitet.

Organisationsstruktur, Akteure und Zusammenarbeit
Grundsätzliches Ziel der Organisationsstruktur ist eine möglichst dezentrale Machtverteilung und Transparenz und Offenheit für neue Initiativen. Es sollen neue Organisationsmodelle erprobt und als Forschungsziel übertragbar gemacht werden. Im ersten Schritt gründen die Initiatoren einen Verein, dem alle Akteure*innen der Partnerinitiativen beitreten können.

Vereinszweck ist die Gründung der 'Gesellschaft für außerordentliche Zusammenarbeit' in einer agilen und auf Teilhabe basierenden Rechtsform.

Als nächstes wird eine neue Rechtsform, die die Mechanismen der Teilhabe & Teilnahme hinreichend ermöglicht, gegründet (voraussichtlich Genossenschaft), an der alle Initiativen Teilhaber sind.
Innerhalb der 'Gesellschaft' werden wichtige Aufgabenfelder stets in Rollen definiert und funktionieren personenunabhängig.

Kooperationen
Die Organisationsstruktur ist offen für weitere Initiativen als Teilhaber.
Das Kulturdezernat tritt als erster Teil der Verwaltung eine Partnerschaft mit der 'Gesellschaft' ein und ermöglicht den Zugang zur Verwaltung und zu Flächen und Gebäuden der Kommune.

Entscheidung über die Vergabe von Mitteln
Mit der Gründung der 'Gesellschaft' schlagen wir zwei Entscheidungsmodelle vor, die bei Bedarf in regelmäßigen Revisionsphasen an die Bedürfnisse der 'Gesellschaft' angepasst werden können:

Konsens-Entscheidungen betreffen Policies, die z.B. die Vergabe-Kriterien scharf zeichnen. Alle entscheiden mit; jeder kann jedem seine Stimme übertragen. (Liquid Democracy)

Konsent-Entscheidungen finden innerhalb von Arbeitsgruppen statt. Diese Gruppen werden mit soviel Entscheidungskompetenzen wie möglich ausgestattet, um agil und dynamisch arbeiten zu können.  (Holokratie bzw. Soziokratie)

Aktivierung und Kooperation mit der Stadtgesellschaft
Grundsätzlich schaffen wir Motivation durch die Möglichkeit mitzugestalten. Dabei stellt der koproduktive Visionsfindungsprozess den wir mit über 50 Initiativen vollzogen haben, den ersten Schritt dar um einen Prozess anzustoßen der von vielen getragen und mitgestaltet wird.

Auf Produktionsebene finden sich die ersten Initiativen zusammen, um gemeinsam die nötigen infrastrukturellen Maßnahmen im Rahmen von Pilotprojekten auf den Weg zu bringen

Auf der Koproduktionsebene definieren formelle Veranstaltungen einen öffentlichen Rhythmus des Projektes. Sie werden von der 'Gesellschaft' organisiert, thematisieren den laufenden Prozess und laden zur Teilnahme und Mitbestimmung ein. Informelle Veranstaltungen werden dezentral von den Projektpartnern organisiert. Es wird nur ein Anreiz aus der Förderstruktur geschaffen und die Akteure erproben ihre eigenen Formate. Ziel ist hier nachhaltige Formate zu entwickeln, die anschließend ohne Anreize weiterlaufen und um das Gesamtprojekt sichtbar zu machen und Informationen dafür bereit zu stellen.

Pionierprojekte
Pionierprojekte stellen die wichtigsten Formate zur nachhaltigen Einbindung der Stadtgesellschaft dar. Jeder kann immer Projektideen einreichen.  Förderfähige Projekte können sofort auf die gesamte Förderstruktur der Gesellschaft zugreifen um ihre Projekte zu realisieren.  Also Objekte, Raum, Wissen bzw. Schulung und Teilhabe der 'Gesellschaft'. Pionierprojekte werden nicht mit Geldmitteln gefördert! Durch dynamische Abstimmungsverfahren, kann über Projektvorschläge gleichberechtigt abgestimmt werden. Wichtig ist hierbei, dass die Förderkriterien eingehalten werden. Diese können im Projektverlauf angepasst werden.

Förderkriterien:
Gemeinwohlorientiert
Innovativ mit öffentlicher Nutzbarkeit

Förderbare Handlungsfelder:
Stadtraumgestaltung
Veranstaltungsformate
Infrastruktur erzeugen

Flächennutzung und Immobilienentwicklung
Auf der Konsumeten-Ebene kann jeder, auch wenn er kein Teilhaber der Gemeingut-Ökonomie ist oder gefördert wird, auf die geschaffenen Angebote zurückgreifen. Konsumenten genießen nicht die freie, aber die günstige Nutzung der Gemeingüter. Sie unterstützen mit der Nutzung die Gemeingut-Ökonomie.

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